Als erste Region Deutschlands hat die Metropolregion Nürnberg heute in Berlin ihre Bewerbung um den Titel „Welt-Agrarkulturerbe“ präsentiert. Landwirtschaftsminister Alois Rainer lobte die Region als Vorzeigemodell für eine gelungene Verbindung von Stadt und Land und sagte seine volle Unterstützung bei der Bewerbung zu. Mit dem Vorhaben will die Region ihren einzigartigen Schatz an Agrarkultur sichtbar machen und seine Bedeutung für eine zukunftsfähige Metropolregion untermauern.

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Bei der Vorstellung der Bewerbung auf der Grünen Woche lobte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die Metropolregion als Vorzeigemodell und sagte seine volle Unterstützung bei der Bewerbung um das Welt-Agrarkulturerbe zu Es sei wichtig, mit der Bewerbung zu zeigen, dass Stadt und Land zusammengehörten, vor allem wenn man an die Lebensmittelversorgung der Menschen dächte. Es werde Zeit, dass die Region mit dem Titel „Welt-Agrarkulturerbe“ deutschlandweit ein echtes Aushängeschild erhalte.
Im Zentrum der Bewerbung steht die über Jahrhunderte gewachsene, einzigartige stadtnahe Land- und Ernährungswirtschaft. Das wertvolle, agrarkulturelle Erbe der nordbayerischen Region gilt als eine Mischung aus kleinteiliger Landwirtschaft, regionaler Ernährungskultur und vielfältigen Kulturlandschaften. Diese reichen vom Nürnberger Knoblauchsland, dem größten urbanen Gemüseanbaugebiet Deutschlands, über eine jahrhundertealte Karpfenteichwirtschaft in der Oberpfalz und im Aischgrund bis hin zu Streuobstwiesen, Hopfengärten und Weinbergen in Franken.
Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber begrüßt das Vorhaben: „Die Metropolregion Nürnberg zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und zukunftsfähig Agrarkultur sein kann. Mit ihrer Bewerbung als Welt-Agrarkulturerbe macht die Region sichtbar, wie engagierte Bäuerinnen und Bauern über Generationen gewachsenes Wissen mit moderner, nachhaltiger Landwirtschaft verbinden – mitten im Herzen einer starken Metropolregion. Grundlage dieses Erfolgs ist auch die gegenseitige Wertschätzung von Stadt und Land und der enge, kontinuierliche Austausch zwischen Landwirtschaft, Kommunen und Gesellschaft. Diese Bewerbung unterstreicht den unschätzbaren Wert unserer regionalen Agrarsysteme für Ernährungssicherheit, Biodiversität, Kulturlandschaft und Identität. Genau solche vielfältigen, resilienten Strukturen verdienen internationale Anerkennung.“
Schatz an Agrarkultur soll international sichtbar werden
„Mit der Bewerbung wollen wir unseren Schatz an Agrarkultur bewahren und international sichtbar machen“, erklärt Klaus Peter Söllner, Sprecher des Beirats Welt-Agrarkultur und Landrat im oberfränkischen Kulmbach. Außerdem solle damit ein stärkeres Bewusstsein für die Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte geschaffen werden, die erheblich zur Landschaftspflege und Biodiversität beitragen.

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Bei der Vorstellung der Bewerbung auf der Grünen Woche und einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Zwischen Feld und Welt – Metropolregion Nürnberg als Welt-Agrarkulturerbe“ am 22. Januar machen die Befürworter des Antrags und Vertretende aus der Landwirtschaft deutlich, wie wichtig ihre Arbeit ist. Mit ihren Erzeugnissen versorgen sie nicht nur die Menschen in der Metropolregion, sondern leisten gleichzeitig auch wichtige Dienste in der Landschaftspflege.
„Wer Agrarkulturerbe pflegt, stärkt regionale Wertschöpfung, Tourismus, Ernährungskultur und das Selbstbewusstsein ländlicher Gemeinschaften und verbindet Vergangenheit und Zukunft der Landwirtschaft. Uns ist es wichtig, die Bedeutung und die Zukunft der Landwirtschaft und unserer wunderbaren Region zu bewahren. Wir haben viel zu bieten und leisten gerne unseren Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaft“, sagt Christine Reitelshöfer, Landwirtin und stellvertretende Landesbäuerin aus Mittelfranken. Immerhin arbeiten rund 100.000 Menschen in der Land- und Ernährungswirtschaft der Region. Ihre Betriebe sorgen für gedeckte Tische in Städten und ländlichen Räumen gleichermaßen – ein stabiler regionaler Kreislauf, auch in Krisenzeiten.
Von Braukunst bis Streuobst-Anbau
Genau diese Resilienz ist ein Kernargument in der Bewerbung um den Titel als Welt-Agrarkulturerbe, den die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom vergibt. Offiziell eingereicht wird die Bewerbung über das Bundeslandwirtschaftsministerium. Mit dem Programm „Globally Important Agricultural Heritage System“ würdigt die FAO seit 2002 weltweit landwirtschaftliche Systeme, die durch ihr traditionelles Wissen, ihre ökologische Resilienz und ihre kulturelle Bedeutung herausragen. Bislang haben 104 landwirtschaftliche Systeme aus 28 Ländern den Titel erhalten. In Deutschland wäre die Metropolregion Nürnberg die erste Region, die diesen wertvollen Titel verliehen bekommt. „Unsere Agrarkultur ist kein Museum, sondern ein lebendiges System aus Wissen, Handwerk und Innovationskraft. Zu dieser Kultur gehören 19 für die Region typische Immaterielle Weltkulturerben mit landwirtschaftlichem Bezug, wie etwa die Oberpfälzer Zoiglkultur, Streuobstanbau oder handwerkliche Brennkunst“, betont Klaus Peter Söllner.

Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus) und Dr. Christa Standecker (Geschäftsführerin Metropolregion Nürnberg) am Messestand der Metropolregion Nürnberg auf der Grünen Messe in Berlin.
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„Uns geht es darum, die regionale Land- und Ernährungswirtschaft sichtbar zu machen und ihre Wertschöpfung, Identität und ihre Zukunftsfähigkeit herauszustreichen. Unsere Stärke ist die Mischung aus Streuobstwiesen, Karpfenteichwirtschaft, Getreidebau, Hopfenanbau und vielem mehr“, sagt die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof, ebenfalls Sprecherin des Beirats.
Modell für nachhaltige Landwirtschaft
Die Metropolregion setzt bewusst nicht auf ein einzelnes Vorzeigeprojekt, sondern auf Vielfalt. Gerade das Zusammenspiel vieler kleiner Agrarsysteme in unmittelbarer Stadtnähe macht den besonderen Charakter aus.

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Über die Jahrhunderte habe sich rund um die Städte eine vielfältige Landwirtschaft entwickelt, sagt Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König, ebenfalls Sprecher des Beirats. Dazu gehöre unter anderem das Nürnberger Knoblauchsland, das größte zusammenhängende Gemüseanbaugebiet im urbanen Raum. „Es ist der Gemüsegarten der Metropolregion und sorgt für Ernährungssouveränität“, sagt König. „Unser Tisch ist reich gedeckt: Wir haben allein 170 regionale Spezialitäten in der Metropolregion, vom Aischgründer Karpfen über das Bamberger Hörnla bis zur Nürnberger Bratwurst.“
„Unsere Stärke ist die Mischung. Sie macht uns zu einem Modell für nachhaltige, anpassungsfähige Landwirtschaft, die letztlich unsere Ernährung sichert. Begeistert von der Bewerbung sind auch unsere Touristiker, denn regionale Landschaften und Spezialitäten gewinnen mit dem Welterbe-Titel an Anziehungskraft. Wir haben schon heute in der Region rund 50 Erlebniswege und Lehrpfade mit kulinarischem, landwirtschaftlichem oder landschaftlichem Bezug“, sagt Dr. Christa Standecker, Geschäftsführerin der Metropolregion Nürnberg.

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weitere Stimmen zur Bewerbung:
„Dass die Metropolregion Nürnberg als erste Region Deutschlands diesen Weg geht, macht mich stolz. Diese Bewerbung ist ein starkes Bekenntnis zu regionaler Landwirtschaft, zu Qualität und zu einer Agrarkultur, die weltweit Vorbild sein kann.“ Artur Auernhammer, agrarpolitischer Sprecher der CSU im Bundestag und Landwirt aus Mittelfranken
„Die Anerkennung als Welt-Agrarkulturerbe wäre ein starkes Signal für die Bedeutung der vielfältigen Kulturlandschaften. Sie schafft einen Rahmen, in dem wir regionale Stärken bündeln und die dringend notwendige Transformation des Agrar- und Ernährungssystems modellhaft vorantreiben können.“ Prof. Dr. Andrea Früh-Müller, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
„Die Wünsche der Verbraucher in unserer Metropolregion formen eine vielfältige, moderne Landwirtschaft, die Tradition bewahrt und sich den Anforderungen der Zeit anpasst. Dies wird zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer landwirtschaftlichen Betriebe führen, die es gilt zu unterstützen und durch moderne Marketingkonzepte zu fördern. Die Vielfalt der Produktion ist beeindruckend, wo je nach Standort- Voraussetzungen sehr unterschiedliche Produkte erzeugt werden.“ Peter Köninger, Bezirkspräsident Mittelfranken des Bayerischen Bauernverbands
„Die Metropolregion Nürnberg ist eine besondere Schatzkammer traditioneller Agrarprodukte und -techniken. Ich bin daher sehr froh, dass die Metropolregion Nürnberg sich bei der Welternährungsorganisation FAO um die Anerkennung als Welt-Agrarkulturerbe bewirbt. Dies ist auch eine Auszeichnung der Landwirtinnen und Landwirte vor Ort, die im Gemüsebau, im Wein- und Hopfenanbau, in der Teich- und Wiesenwirtschaft erfolgreich gezeigt haben, wie man traditionelle Vielfalt pflegt, bewahrt und an moderne Erfordernisse anpasst.“ Prof. Dr. Frank Lohrberg, Leiter des Instituts und Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur an der RWTH Aachen University
„Die Metropolregion Nürnberg bietet eine große Vielfalt an landwirtschaftlichen Strukturen. Der Ökolandbau und die Öko-Modellregionen schaffen nicht nur eine wertvolle Vernetzung von Stadt und Land, sondern sind perfekte Zugpferde für eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung der Metropolregion. Wir freuen uns auf das Weltagrarkulturerbe und auf eine starke Zukunftsorientierung, denn ein Erbe verpflichtet.“ Thomas Lang, Co- Vorsitzender des Bioland-Landesverbands Bayern
„Die Bewerbung der Metropolregion Nürnberg als Welt-Agrarkulturerbe würdigt das einzigartige Zusammenspiel von traditioneller Landwirtschaft und moderner Ernährungswirtschaft in unserer Region. Dieses agrarkulturelle Erbe ist ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und zur Erhaltung vielfältiger Kulturlandschaften in Bayern.“ Präsident Stephan Sedlmayer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft








