Weltseniorentag 2026 in Nürnberg: Senioren im Mittelpunkt

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Mehr als 30 Veranstaltungen rückten beim Weltseniorentag 2026 in Nürnberg die Anliegen älterer Menschen in den Mittelpunkt. Dabei ging es unter anderem um bezahlbares Wohnen, Pflege, Einsamkeit und die zunehmende Digitalisierung des Alltags.

Passanten informieren sich am Stand des Stadtseniorenrats in der Fußgängerzone.
Foto: Paul Schremser, Stadtseniorenrat Nürnberg

Bezahlbares Wohnen im Alter, die Angst vor der Einsamkeit, die Zukunft der Pflegeversicherung und die zunehmende Digitalisierung im Alltag sind Themen, die die Menschen im Alter ab 60 beschäftigen. Das bestätigen die Gespräche, die Mitglieder des Stadtseniorenrats (StSR) am Info-Stand in der Nürnberger Fußgängerzone mit Dutzenden Menschen geführt haben.

Anlass war der „Weltseniorentag“ am 1. Oktober, den die Vereinten Nationen 1990 ins Leben gerufen haben und der zum dritten Mal in Nürnberg begangen wurde. Menschen im Alter treibt die Sorge um, bei der zunehmenden Digitalisierung abgehängt zu werden. Etliche möchten ihre finanziellen Angelegenheiten weiterhin in einer Bankfiliale und mit persönlicher Beratung am Schalter erledigen. Aber immer mehr Banken bieten diesen Service nicht mehr oder nur zu hohen Gebühren an, bemängelt der StSR.

Schlussandacht in der Heilig-Geist-Kapelle mit Prädikantin Jutta Rossmann (im Talar)
Foto: Paul Schremser, Stadtseniorenrat Nürnberg

Was ist Fakt, was Fake in der digitalen Welt?

Für Aufregung hat die Ankündigung der Nürnberger Verkehrsbetriebe VAG gesorgt, in Zukunft die Fahrkartenautomaten abzuschaffen und auf Online-Tickets zu setzen. „Dann muss ich jedesmal meinen Namen, mein Geburtsdatum und meine Bankverbindung angeben, wenn ich mit der U-Bahn fahren möchte“, empört sich eine Passantin am Stand des StSR. Die Mitglieder der städtischen Seniorenvertretung, die im kommenden Jahr neu gewählt wird, hören geduldig zu, beantworten Fragen, geben hilfreiche Tipps und verteilen gedruckte Broschüren, die der StSR für Menschen im Alter bereitstellt.

Zur selben Zeit geht ein Workshop im „Museum für Kommunikation“ in der Lessingstraße der Frage nach, woran in den Sozialen Medien Falschmeldungen, Verschwörungstheorien, Manipulation und Propaganda zu erkennen seien. Ralf Nieker arbeitet als Museumsguide und ist zugleich Mitglied im „Chaos Computer Club“, der regelmäßig Schwachstellen in den digitalen Programmen aufdeckt. Um Fake-Nachrichten zu entlarven, rät er: „Folge den Quellen.“ Außerdem gebe es seriöse Faktenfinder, vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Medien.

Gleich nebenan geht es im „Verkehrsmuseum“ heiter zu. Zwischen alten Lokomotiven und Zügen liest Mark Daniel aus seinem Buch „Bahn-Bingo“. Dort beschreibt er seine Erlebnisse bei Zugfahrten mit den Fahrgästen und dem Bahnpersonal. Zwischendurch präsentiert er Tondokumente von überraschenden Lautsprecherdurchsagen der Zugbegleiter. Unterstützt wird er von Gunter Schwarz, der seine Lieder zum Thema „Zugfahrten“ auf der Gitarre belgleitet. Zahlreiche weiterer Museen haben am 1. Oktober Sonderführungen für Seniorinnen und Senioren angeboten.

„Sparbeschlüsse sind Verschiebebahnhof zur Sozialhilfe“

Unterdessen ist Christa Michalik am Stand des StSR. Sie ist Mitglied im Vorstand des StSR und von Beruf Gerontologin. Angesprochen auf die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zur sozialen Pflegeversicherung vertritt sie eine klare Meinung: „Die Sparbeschlüsse sind ein Verschiebebahnhof hin zur Sozialhilfe.“ Sie verweist auf die immer höher steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege, die immer weniger Rentnerinnen und Rentner stämmen könnten. Oft muss dann der Bezirk mit „Hilfe zur Pflege“ einspringen, was nur ein anderes Wort für Sozialhilfe ist.

Auch das Seniorenmagazin „Sechsundsechzig“ hat die steigenden Kosten in den Pflegeheimen schon mehrfach thematisiert. Im Seniorenrathaus am Hans-Sachs- Platz steht Chefredakteur Georg Klietz den Leserinnen und Lesern Rede und Antwort. So erklärt der 58-jährige Journalist wie das Magazin zu seinen Inhalten kommt: „In der Redaktionssitzung werden die Themenvorschläge besprochen und dann gemeinsam beschlossen.“ Der Anteil älterer Menschen, die aktiv am Leben teilhaben wollen, werde immer größer, sagt Klietz und ergänzt: „Wir wollen sie stärken und ihnen helfen.“ Mit einer Auflage von 160.000 Exemplaren gehört „Sechsundsechzig“ seit gut 25 Jahren zu den größten Seniorenzeitschriften Deutschlands, erklärt Georg Reif. Er ist der Vorsitzende des Trägervereins. Das Magazin erscheint viermal im Jahr als Beilage der Tageszeitungen. Es finanziere sich selbst, sagt Reif, vor allem aus den Anzeigenerlösen.

Im Alter den Neubeginn wagen

Zwischen den Veranstaltungsorten in der Innenstadt haben die Malteser aus Eibach einen Rikscha-Fahrdienst eingerichtet. Jeweils zwei Personen können bequem, umweltfreundlich und kostenlos befördert worden. Eines der Ziele ist das CVJM- Haus am Kornmarkt. Neben einer Lesung mit Christiane Runpf mit „Büchern fürs Leben“ und einem Kochkurs unter Motto „Schnell was Feines“ informiert Anja Bauer vom Institut für Psychogerontologie über Methoden, das eigene Gedächtnis zu stärken.

Zum Abschluss der Veranstaltungen lädt Jutta Rossmann zu einer halben Stunde der religiösen Besinnung in die Kapelle des Heilig-Geist-Hauses ein. Sie ist Vorstandsmitglied des StSR und Prädikantin der evangelischen Landeskirche. In ihrer Ansprache erinnert sie an Abraham, den gemeinsamen Urvater der Juden, Christen und Muslime. Im Alter von 75 Jahren habe er den göttlichen Auftrag erhalten, seine Sachen zu packen, die Heimat zu verlassen und in ein fremdes Land zu ziehen. Das biblische Beispiel könne Menschen Mut machen, auch im Alter etwas Neues auszuprobieren. „Verlasse deine Komfortzone,“ ruft Rossmann die Zuhörerinnen und Zuhörer auf. „Die Zeichen stehen Neubeginn“, meint sie angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen.

Sehr zufrieden mit dem Verlauf des Weltseniorentags äußert sich Christian Marguliés. „Ein tolles Programm“, fasst es der Vorsitzende des Stadtseniorenrats zusammen. Das Gremium habe erneut gezeigt, dass es eine ernsthafte Stimme für Senioren sei, „die sonst keine Lobby haben.“

Redaktionell bearbeitet von:
Stefan Kuratli (Mediengestalter) aus Nürnberg
Redaktion bei Stadtmedien. Lokale Nachrichten, Pressemitteilungen und Themen aus Nürnberg und der Region. (Verantwortung und Inhaber: Christian Poss)
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