U3 nach Gebersdorf: Neuer Bahnhof nimmt sichtbar Form an

5–8 Minuten

Die Verlängerung der Nürnberger U-Bahn U3 nach Gebersdorf macht weiter Fortschritte. Beim Besuch von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter wurde der aktuelle Stand der Bauarbeiten vorgestellt – die Eröffnung der beiden neuen Bahnhöfe ist für das erste Halbjahr 2028 geplant.

EINFACHE SPRACHE

Die U3 wird bis Gebersdorf verlängert

Hier finden Sie die wichtigsten Informationen aus diesem Beitrag in einfacher Sprache.

Die Nürnberger U-Bahn-Linie U3 wird bis Gebersdorf verlängert.

Dafür entstehen zwei neue Bahnhöfe: Kleinreuth und Gebersdorf.

Die Bauarbeiten sind schon weit fortgeschritten. Zurzeit werden die Bahnhöfe innen ausgebaut.

Danach beginnt ein längerer Testbetrieb. Die Eröffnung ist für das erste Halbjahr 2028 geplant.

Die neue Strecke kostet nach aktuellem Stand rund 224 Millionen Euro. Bund und Freistaat Bayern unterstützen das Projekt finanziell.

Rund um den Bahnhof Gebersdorf soll außerdem ein neuer Busbahnhof entstehen.

V. r.: Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König, VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, CSU-Landtagsabgeordneter Jochen Kohler und Nürnbergs zweiter Bürgermeister Andreas Krieglstein.
Foto: © Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter hat am Dienstag, 6. Oktober 2026, ein gemeinsames Treffen mit Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König, Bürgermeister Andreas Krieglstein und VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing genutzt, um den neuen U3-Bahnhof Gebersdorf zu besichtigen. Thiemo Guttenberger, Leiter des U-Bahn-Bauamts der Stadt Nürnberg, hat den Stand der Bauarbeiten vor Ort erläutert und einen Ausblick auf die bevorstehenden letzten Arbeiten bis zur Eröffnung im ersten Halbjahr 2028 gegeben.

Die Arbeiten an dem letzten Bauabschnitt der U3 im Südwesten Nürnbergs kämen gut voran, so Guttenberger, der mit seinem Team verantwortlich für die rund zwei Kilometer lange Neubaustrecke und die beiden neuen U-Bahnhöfe Kleinreuth bei Schweinau und Gebersdorf ist. Die Rohbauarbeiten sind bereits 2024 abgeschlossen worden. Aktuell laufen die Ausbauarbeiten in beiden Bahnhöfen. Beispielsweise sind Elektroarbeiten notwendig, um die Stromversorgung herzustellen, es werden Deckenverkleidungen angebracht und Bodenbeläge verlegt. Auch müssen in den Abstellanlagen die Bedienstege noch hergestellt werden.

Wenn diese abgeschlossen sind, kann die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft mit dem Test- und Erprobungsbetrieb beginnen, der etwa ein Jahr dauern wird. Dann können die beiden U-Bahnhöfe eröffnet werden und die Fahrgäste bis Gebersdorf im Südwesten Nürnbergs fahren.

Anspruchsvoller Bauabschnitt
Insbesondere die Planung und der Bau der Strecke war für die Planer und ausführenden Baufirmen eine Herausforderung. So musste laut Guttenberger nicht nur die Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Großreuth b. Schweinau und Kleinreuth b. Schweinau unterquert werden, sondern auch der Main-Donau-Kanal zwischen den Bahnhöfen Kleinreuth b. Schweinau und Gebersdorf. In beiden Fällen bedurfte es besonderer Vorkehrungen beim Bau und einer exakten Bauüberwachung des Untergrunds. Sowohl die Bahnstrecke als auch der Main-Donau-Kanal durften sich um keinen Millimeter in der Lage verändern.

Herausfordernd waren zudem Faktoren, auf die das Projektteam keinen Einfluss hatte. Die Corona-Pandemie mit den Lockdowns in den Jahren 2020 und 2021 wirkte hier genauso negativ wie der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika und andere Konflikte im Nahen Osten.

Realisierung der U3-Verlängerung dank Zuschüssen vom Bund und Freistaat
Die externen Einflussfaktoren hatten auch Auswirkungen auf die Kosten, einmal durch Zeitverzug, dann aber wegen gestiegener Lohn-, Material- und Energiekosten. Die Gesamtkosten betragen nach aktuellem Stand der Berechnungen rund 224 Millionen Euro. Für die Finanzierung des Projekts wurde eine Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) des Bundes und dem Bayerischen ÖPNV-Gesetz bewilligt. Das Projekt wird durch den Bund und den Freistaat Bayern mit voraussichtlich mehr als 100 Millionen Euro bezuschusst. Für die Hauptbaumaßnahme gibt es insgesamt 80 Prozent Zuschüsse für die förderfähigen Kosten, angepasst an die Kostenentwicklung. 60 Prozent kommen vom Bund und 20 Prozent vom Freistaat Bayern.

„Wir danken dem Bund wie dem Freistaat Bayern herzlich für die Zuschüsse. Ohne diese wäre kaum ein Projekt des öffentlichen Personennahverkehrs realisierbar“, betonte Oberbürgermeister Marcus König beim Pressetermin. „Wir freuen uns, dass uns bereits bei der Bewilligung der Förderanträge in Aussicht gestellt wurde, dass es sich um eine prozentuale Förderung handelt. Dieses Mal sehen wir, wie wichtig es ist, dass die Förderbestimmungen eine Anpassung der Fördersumme vorsehen.“

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter: „Ich freue mich, dass die Stadt Nürnberg weiter konsequent den ÖPNV ausbaut. Die Erfolge können sich sehen lassen! Als Freistaat leisten wir einen wesentlichen Beitrag: Die vollautomatisierte U-Bahn haben wir seit 2005 mit rund 50 Millionen Euro unterstützt, die Verlängerung der U3 und die Notleitstelle des U-Bahn-Betriebshofs Kafkastraße mit weiteren rund 73 Millionen Euro. Das Geld des Freistaats ist hier sehr gut investiert, denn von unseren Fördermitteln profitieren alle Fahrgäste. Eine große Herausforderung für die Stadt Nürnberg, wie für alle Aufgabenträger, ist es, das Angebot im ÖPNV zu erweitern und die dafür nötige Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Wir wissen, dass auch die Grunderneuerung der vollautomatischen U-Bahn viel Geld kostet. Auf allen Ebenen setzen wir uns deswegen dafür ein, dass die Fördermittel des Bundes nicht nur länger verfügbar sind, sondern auch aufgestockt werden!“

U-Bahn: Das Rückgrat des ÖPNV in Nürnberg und Fürth
„Wir hoffen sehr darauf, dass uns der Bund und der Freistaat weiterhin unterstützen, bei Neu- wie bei Reinvestitionen. Unsere beiden vollautomatisierten U-Bahn-Linien sind dabei ein wichtiger Baustein unserer Leistungsfähigkeit. Alle vorab erwarteten Vorteile haben sich in fast 20 Betriebsjahren jeden Tag bestätigt. Leistungsfähigkeit und Flexibilität überzeugen. Die Taktverdichtung würden wir mit einem konventionellen System nicht schaffen und diese brauchen wir auch künftig mehr denn je“, stellt VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing fest. „Wie sinnvoll Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr sind, zeigt die Entwicklung unserer Abo-Kund*innen und der Fahrgastzahlen. Die U-Bahn ist dabei zweifellos das Rückgrat des ÖPNV in Nürnberg. Sie bringt die Menschen schnell ans Ziel. Jeder Zug bietet rund 600 Fahrgästen Platz. 2025 waren mit unseren drei U-Bahn-Linien insgesamt 114,4 Millionen Fahrgäste unterwegs. Davon 60,9 Millionen mit der U1 und 53,5 Millionen Fahrgäste mit den vollautomatisierten U-Bahn-Linien U2 und U3. Insgesamt sind fast 60 Prozent unserer Fahrgäste mit unseren drei U-Bahn-Linien unterwegs.“

Bürgermeister Andreas Krieglstein, zuständig für die Mobilität, unterstreicht die Bedeutung der U-Bahn, insbesondere auch der automatischen U-Bahn-Linien U2 und U3: „An Werktagen mit Schule haben wir in der Regel über 400.000 Fahrgäste. Den absoluten Spitzenwert der U-Bahn-Nachfrage in einem ‚normalen Jahr‘ haben wir zur Eröffnung des Christkindlesmarkts, in 2025 waren es fast 480.000 Fahrgäste. Das zeigt einmal mehr die Bedeutung und Leistungsfähigkeit.“ Krieglstein ergänzt: „Die U-Bahn hat zweifellos auch eine städtebauliche Wirkung. Neue Schulen, neue Baugebiete planen wir um U-Bahnhöfe herum. Das sieht man gut an Großreuth bei Schweinau, dem letzten U3-Bahnhof, den wir eröffnet haben und um den herum eifrig gebaut wird. Vergleichbares Potential haben wir nun mit den U-Bahnhöfen Kleinreuth und Gebersdorf. Wir sind uns sicher, dass wir so mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV motivieren. 2025 hat der ÖPNV in Nürnberg erstmals mit einem Anteil von 25 Prozent am Modal-Split den Anteil der Pkw-Fahrer*innen mit 24 Prozent hinter sich gelassen. An diesem Erfolg hat auch die U-Bahn in Nürnberg einen maßgeblichen Anteil, ergänzt um ein sehr gutes Straßenbahn- und Busnetz. Damit zeigt sich der wertvolle Beitrag eines leistungsfähigen ÖPNVs und der U-Bahn an der Entwicklung einer lebenswerten Stadt. Davon profitieren wir alle, zumal es Umwelt und Klima entlastet, wenn mehr Menschen mit dem ÖPNV fahren“, so Krieglstein.

Ausblick
2027 wird rund um den U-Bahnhof Gebersdorf die Oberfläche durch den Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) der Stadt Nürnberg hergestellt. Dazu gehört der Bau eines Busbahnhofs. Hierdurch können die Busverkehre im Nürnberger Westen wie auch aus den angrenzenden Nachbarorten neu verknüpft und attraktiver gestaltet werden. Die Planung zum Neubau der Rothenburger Straße, welche die Erschließung des U-Bahnhofs Kleinreuth b. Schweinau sicherstellen soll, ist derzeit noch im Planfeststellungsverfahren und kann erst nach Inbetriebnahme des neuen Streckenabschnitts durch Sör baulich umgesetzt werden. Der Zugang zum U-Bahnhof zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist aber gewährleistet.

Redaktionell bearbeitet von:
Stefan Kuratli (Mediengestalter) aus Nürnberg
Redaktion bei Stadtmedien. Lokale Nachrichten, Pressemitteilungen und Themen aus Nürnberg und der Region. (Verantwortung und Inhaber: Christian Poss)
Werbung