Beim Besuch des landwirtschaftlichen Betriebs von Dorfhelferin Heike Vogel inDeberndorf wurde Landrat Bernd Obst erneut die Bedeutung der Betriebs- undDorfhilfe im Landkreis Fürth deutlich. Gemeinsam mit Kreisbäuerin Bettina Hechtel und Dr. Peter Schlee von der Evangelischen Fachstelle für Ländliche Räume informierte sich der Landrat – zugleich Vorsitzender des Betriebshelferausschusses – über die aktuelle Lage der Betriebshilfe in der Region.

„Ich helfe, wenn Not am Mann ist“
Heike Vogel schilderte eindrucksvoll ihre Einsätze als hauptberufliche Dorfhelferin auf anderen Höfen – dann, wenn Familien durch Krankheit, Unfall, Geburt, Reha oder Todesfall auf Hilfe angewiesen sind: „Ob beim Melken, in der Stallarbeit oder im Haushalt – ich sorge dafür, dass der Betrieb weiterläuft, bis die Familie wieder übernehmen kann.“ so Heike Vogel. Landrat Obst zeigte sich tief beeindruckt: „Diese Helferinnen und Helfer geben Sicherheit, wenn das Leben aus dem Takt gerät. Ihre Arbeit verdient unseren größten Respekt.“
Was leistet die Betriebs- und Dorfhilfe konkret?
Die Helferinnen und Helfer übernehmen auf Betrieben in Not unaufschiebbare Aufgaben, wie die Versorgung der Tiere, das Füttern und Melken, sie unterstützen im Haushalt und bei Arbeiten in der Außenwirtschaft. Koordiniert werden die Einsätze aller Betriebshilfskräfte über den Maschinen- und Betriebshilfsring Fürth e.V., die Genehmigung erfolgt in der Regel über die Krankenkasse. Die Art und Dauer des Einsatzes hängt von Fall, Betriebsgröße und -struktur ab. Neben der praktischen Arbeit leisten die Helfer und Helferinnen auch emotionale Unterstützung, besonders bei längeren Einsätzen. Dabei entstehen oft enge Beziehungen zu den betreuten Familien.
Kritische Lage: Zahl der Helfer nimmt drastisch ab
Trotz ihrer wichtigen Rolle sinkt die Zahl der aktiven Kräfte seit Jahren: Gab es 2014 noch 3 haupt- und 30 nebenberufliche Helfer im Landkreis Fürth sind es in 2024 nur noch 2 Haupt- und 11 Nebenberufliche. Bayernweit ging auch die Zahl der geleisteten Einsatzstunden pro Ring deutlich zurück: Von 42.000 Stunden (2014) auf nur noch 26.000 Stunden (2024). Dr. Peter Schlee erklärt: „Der Strukturwandel macht sich deutlich bemerkbar. Viele junge Menschen wählen heute andere Berufswege. Dabei bietet die Betriebshilfe Abwechslung, Sinn und langfristige Perspektiven – gerade im ländlichen Raum.“
Frühzeitige Reaktion im Landkreis Fürth
Viele Jahre waren die hauptberuflichen Helfer des Evangelischen Dorf- und Betriebshilfsdienstes Hesselberg die einzigen Fachkräfte, die landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis Fürth in Notlagen unterstützen konnten. Im Laufe der Zeit zeichnete sich jedoch ein Strukturwandel ab, der zu einem Rückgang der hauptberuflichen Kräfte führte. Um die Betriebshilfe in der Region langfristig zu sichern, suchte der Maschinenring Fürth nach innovativen Lösungen. 2016 wurde in Bayern erstmals ein Modell umgesetzt, bei dem der Maschinenring Fürth gemeinsam mit fünf Nachbarmaschinenringen Verträge zur Eigenanstellung von Betriebshelfern über die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) abschloss. Dieses Modell wurde inzwischen landesweit übernommen. Aktuell gibt es in der Region Fürth zwei Anstellungsträger für landwirtschaftliche Betriebshilfskräfte: den Maschinen- und Betriebshilfsring Fürth sowie den Evangelischen Dorf- und Betriebshilfsdienst Hesselberg. Dennoch bleibt die Versorgungslage herausfordernd: Ohne nebenberufliche Kräfte ist der Bedarf an Betriebshilfen nicht vollständig zu decken. In der Praxis bedeutet dies, dass landwirtschaftliche Betriebe immer wieder auf Unterstützung warten müssen oder im schlimmsten Fall keine Hilfe erhalten können. Die Weiterentwicklung und Stabilisierung der Betriebshilfe ist daher eine zentrale Aufgabe, um die landwirtschaftliche Versorgungssicherheit im Landkreis Fürth zu gewährleisten.
Jetzt mithelfen: Betriebshilfe sucht engagierte Persönlichkeiten
Der Maschinen- und Betriebshilfsring Fürth und der Evangelische Dorf- und Betriebshelferdienst in Bayern Hesselberg suchen dringend Verstärkung – ob haupt- oder nebenberuflich, gesucht werden: landwirtschaftlich erfahrene Menschen, hauswirtschaftlich ausgebildete Fachkräfte oder Quer- und Wiedereinsteiger. Kreisbäuerin und Vorsitzendes des Dorfhelferinnenausschusses Bettina Hechtel betont: „Wer Freude an der Arbeit mit Menschen und Tieren hat, die Fähigkeit besitzt sich selbstständig zu organisieren und sich schnell auf individuelle Bedürfnisse einstellen kann, ist bei uns genau richtig. “


Fotos: Landkreis Fürth
Kontakt und weitere Informationen
Maschinen- und Betriebshilfsring Fürth e.V.
Franziska Wollandt
Website: https://mr-mfr.de/fuerth/
Telefon: 09127 / 95 48 660
E-Mail: mr.fuerth@mr-fuerth.de
Evangelische Dorf- und Betriebshilfe in Bayern (Hesselberg)
Website: https://ebz-hesselberg.de/dienste-und-einrichtungen/
Herr Hans-Georg Müller
Telefon: 09854 / 100
E-Mail: hg.mueller@ebz-hesselberg.de







